
Audi bietet Beschäftigten in Ingolstadt erstmals an, vorübergehend in der Rüstungsindustrie zu arbeiten. Das freiwillige Projekt sieht vor, dass Mitarbeiter befristet zu anderen Unternehmen in Bayern wechseln können, darunter die ganz oder teilweise im Rüstungsbereich tätigen Konzerne Diehl, Airbus, MBDA und KNDS. Die internen Informationen zu dem Programm wurden bereits verbreitet, mehrere Fachmedien und der Bayerische Rundfunk hatten zuvor darüber berichtet.
Formal handelt es sich um regionale, zeitlich begrenzte Personaleinsätze im Rahmen der Arbeitnehmerüberlassung. Die Fachkräfte bleiben während des Einsatzes bei Audi angestellt. Ziel sei es, „Beschäftigungsperspektiven für Mitarbeitende zu erweitern, Fachkräftebedarfe in der Region gezielt zu unterstützen und die Transformation der Industrie aktiv mitzugestalten“, teilte eine Sprecherin des Autobauers mit. Audi positioniert das Projekt damit als Instrument, um auf verschobene Kapazitäten in der eigenen Produktion und steigende Nachfrage in anderen Branchen zu reagieren.
Das Angebot richtet sich zunächst an indirekte Tarifmitarbeitende am Standort Ingolstadt. Im Fokus stehen insbesondere Ingenieure, Qualitätsingenieure, Projektmanager sowie Beschäftigte in Werkstätten der technischen Entwicklung und der Qualitätssicherung. Ende Oktober sollen die Interessenten die Gelegenheit erhalten, direkt mit Vertretern der beteiligten Unternehmen zu sprechen. Laut Audi ist das Interesse an den geplanten Informationsveranstaltungen „außerordentlich groß“.
Nach Angaben von IG Metall Bayern basiert das Modell auf einem für diesen Zweck geschlossenen Tarifvertrag. Bezirksleiter Horst Ott verweist darauf, dass es derzeit Betriebe mit Auftragsmangel und andere mit deutlichen Fachkräftelücken gebe. Wo die Unternehmen räumlich dicht beieinanderlägen, könne ein vorübergehender Wechsel eine sinnvolle Lösung sein. Die Beschäftigten sollen demnach während des Einsatzes beim aufnehmenden Unternehmen das gleiche Entgelt erhalten wie zuvor und nur dann wechseln, wenn sie dem ausdrücklich zustimmen.

Die Bildung einer neuen Landesregierung in Berlin bleibt vorerst ungewiss. Linke, Grüne und SPD konnten sich zweieinhalb Wochen nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus weiterhin nicht auf eine gemeinsame Linie im Umgang mit Antisemitismus verständigen. Nach dem dritten sogenannten Vorgespräch verließ die Spitze der drei Parteien am Mittwochnachmittag den Tagungsort ohne öffentliche Stellungnahme. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur gilt eine Einigung in der Frage als zentrale Voraussetzung, um in formelle Sondierungsgespräche über eine mögliche Regierung unter Führung der Linken einzusteigen.
Bereits für Donnerstag ist ein weiteres Treffen angesetzt. Ziel ist es, in dem seit geraumer Zeit in Berlin heftig diskutierten Themenkomplex voranzukommen. Vor allem Teile der Berliner Linken stehen seit längerem wegen Positionen zu Israel, Palästina und zum Thema Antisemitismus in der Kritik. Dabei geht es insbesondere um Äußerungen einzelner Parteimitglieder, die öffentlich als antisemitisch eingestuft oder entsprechend kritisiert wurden. Ohne eine belastbare Verständigung auf gemeinsame Grundsätze wollen SPD und Grüne nach eigener Darstellung den nächsten Schritt hin zu einem möglichen Regierungsbündnis nicht gehen.
Zusätzliche Brisanz erhielt die Debatte durch eine Wahlparty der Neuköllner Linken am 20. September. Dort waren nach dpa-Informationen sowohl ein Oberhaupt eines arabischstämmigen und zum Teil kriminellen Clans als auch ein umstrittener propalästinensischer Aktivist anwesend. Letzterer soll der Volksfront für die Befreiung Palästinas (PFLP) nahestehen, die von der EU als Terrororganisation eingestuft wird. Der Vorfall hat bei den potenziellen Koalitionspartnern für erhebliche Irritationen gesorgt und den Druck auf die Linke erhöht, sich klarer zu Antisemitismus, Rassismus und organisierter Kriminalität zu positionieren.
SPD und Grüne verlangen vor Beginn offizieller Sondierungen eine verbindliche Verständigung zu diesen Themenfeldern. Sondierungen sind die Vorstufe zu formalen Koalitionsverhandlungen, in denen ein Regierungsprogramm und die Ressortzuschnitte ausgehandelt würden. Ohne Konsens über den künftigen Kurs im Kampf gegen Antisemitismus und im Umgang mit problematischen Milieus in der Stadt bleibt der Weg zu einem möglichen Rot-Grün-Roten Bündnis aber blockiert. Welche Alternativen zu einem solchen Bündnis am Ende realistisch wären, ist bislang offen; entscheidend bleibt vorerst, ob die drei Parteien in der strittigen Grundsatzfrage noch zu einer gemeinsamen Linie finden.