Der Nord-Ostsee-Kanal verzeichnet im Zuge gestiegener Energiepreise einen spürbaren Anstieg des Schiffsverkehrs. Im März passierten 1.988 Schiffe die rund 100 Kilometer lange Wasserstraße zwischen Kiel und Brunsbüttel, deutlich mehr als im Februar mit 1.465 und auch etwas mehr als im März 2025 mit 1.973 Schiffen. Die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt führt die Entwicklung auf die aktuell hohen Ölpreise zurück, die Reedereien vermehrt zur Abkürzung durch den Kanal anstelle der längeren Route um das dänische Skagen bewegen.
Die höhere Auslastung spiegelt sich nicht nur in den Durchfahrten, sondern auch in den Ladungsmengen wider. Im März 2026 wurden knapp 6,46 Millionen Tonnen Güter transportiert, rund 158.000 Tonnen mehr als ein Jahr zuvor. Bereits im Januar hatte die Ladungsmenge bei 5,94 Millionen Tonnen gelegen, im Februar bei 5,07 Millionen Tonnen. Eine typische Passage durch den Kanal dauert abhängig von der Schiffsgröße im Schnitt acht bis zehn Stunden und ermöglicht den Unternehmen damit eine Kombination aus Zeit- und Treibstoffersparnis in einem von hohen Betriebskosten geprägten Marktumfeld.
Trotz des jüngsten Zuwachses war das Gesamtjahr 2025 von einem Rückgang der Schiffsbewegungen geprägt. Zwischen Nord- und Ostsee wurden 22.262 Schiffe gezählt, nach 24.866 im Jahr 2024 – ein Minus von fast 10,5 Prozent. Gleichzeitig wurden die Schiffe im Durchschnitt größer: Die Bruttoraumzahl im Durchgangsverkehr stieg von 5.688 auf 5.750. Insgesamt wurden 2025 rund 69,5 Millionen Tonnen Ladung über den Kanal transportiert, verglichen mit knapp 75,6 Millionen Tonnen im Jahr 2024.
Zusätzlich zu den Energiepreisen prägen internationale Rahmenbedingungen den Güterstrom. Wegen der Sanktionen gegen Russland wurden 2025 nur noch rund 1,85 Millionen Tonnen von und zu russischen Häfen über den Nord-Ostsee-Kanal abgewickelt, gegenüber 14,22 Millionen Tonnen im Jahr 2021. Vor diesem Hintergrund gewinnt der Kanal als strategische, kostensparende Route für andere Verkehre weiter an Bedeutung und bleibt eine zentrale Infrastruktur für den europäischen und internationalen Seeverkehr.

Thyssenkrupp zieht beim geplanten Verkauf seiner Stahlsparte an den indischen Konkurrenten Jindal vorerst die Reißleine. Beide Unternehmen haben vereinbart, die seit September laufenden Gespräche auszusetzen. Nach Angaben des Essener Industriekonzerns soll die Neuaufstellung von Thyssenkrupp Steel nun aus eigener Kraft konsequent weiterverfolgt werden. Konzernchef Miguel López betonte, die Voraussetzungen für eine profitable Fortführung des Geschäfts seien „so gut wie lange nicht mehr“.
Im Hintergrund steht ein deutlicher Stimmungsumschwung im europäischen Stahlsektor. Thyssenkrupp verweist auf „große Fortschritte bei der Neuausrichtung“ des Segments und ein deutlich verbessertes Umfeld. Die Europäische Union habe die Bedeutung der Stahlproduktion für die Resilienz industrieller Wertschöpfungsketten erkannt und den Willen bekundet, die europäische Stahlindustrie stärker gegen globale Überkapazitäten und Dumping abzuschirmen. Zudem will Brüssel die Umstellung auf eine klimafreundliche Stahlproduktion weiter unterstützen.
Auch operativ hat sich die Lage bei Thyssenkrupp Steel zuletzt aufgehellt. Die Sparte, historischer Kern des Ruhrkonzerns, legte im laufenden Geschäft zu. Parallel läuft jedoch ein tiefgreifender Umbau: Zur Sanierung des Bereichs sollen in den kommenden Jahren bis zu 11.000 der rund 26.000 Stellen gestrichen oder ausgelagert werden. López hatte bereits zuvor erklärt, je erfolgreicher die Neuausrichtung umgesetzt werde, desto attraktiver werde das Stahlgeschäft für Kapitalmarkt und Investoren – „ob mit oder ohne Jindal“.
Der vorläufige Verkaufsstopp bedeutet keinen endgültigen Verbleib der Stahlsparte im Konzern. Mittelfristig hält Thyssenkrupp an dem Ziel fest, sich vom Stahlgeschäft zu trennen. Gewerkschaften wie die IG Metall drängen derweil auf Klarheit und fordern ein Ende der Verkaufsüberlegungen ohne „Hintertür“. Sie verlangen Gespräche über ein Modell, mit dem sich der Stahlbereich eigenständig und aus eigener Kraft verselbstständigen könnte. Während frühere Versuche für einen Verkauf, ein Joint Venture oder einen Börsengang gescheitert sind, setzt das Management nun darauf, den Wert des Bereichs vor einem möglichen nächsten Schritt weiter zu steigern.