Zürcher Vermögensverwalter Julius Bär setzt bei VR-Erneuerung auf Female Leadership

08.10.2026


Die Zürcher Privatbank Julius Bär treibt den Umbau ihres Verwaltungsrats mit der Nomination zweier erfahrener Managerinnen voran. An der ordentlichen Generalversammlung im April 2027 sollen die Aktionäre über die Wahl von Caroline Kuhnert und Elaine Arden in das Gremium abstimmen, wie das Institut am Dienstag mitteilte. Beide Kandidatinnen bringen jahrzehntelange Führungserfahrung aus internationalen Großbanken mit und sollen insbesondere die Kompetenzfelder Wealth Management, Private Banking sowie Personal- und Transformationsmanagement stärken.

Caroline Kuhnert, 63-jährige österreichisch-schweizerische Doppelbürgerin, verbrachte rund zwei Jahrzehnte im Wealth Management der UBS und gehörte zuletzt in Zürich der Geschäftsleitung des globalen Wealth Managements an. Dort verantwortete sie Geschäfte in der Schweiz und international, darunter Europa, die Schweiz, Emerging Europe, Großbritannien, den Nahen Osten, Lateinamerika und Asien. Zudem leitete sie in der EMEA-Region das Geschäft mit Ultra-High-Net-Worth-Kunden und Global Family Offices. Laut Julius Bär soll sie insbesondere zusätzliche Erfahrung im internationalen Wealth Management, im Schweizer Private Banking sowie im grenzüberschreitenden Risikomanagement und in Restrukturierungen in den Verwaltungsrat einbringen.

Die 58-jährige Britin Elaine Arden wiederum gilt als Spezialistin für Personal, Unternehmenskultur und die Transformation großer Bankkonzerne. Sie war Group HR Director bei der Royal Bank of Scotland und maßgeblich an der Neuausrichtung und Verkleinerung der Bankengruppe mit damals rund 120'000 Mitarbeitenden in 30 Ländern beteiligt. Später wechselte sie zu HSBC, wo sie als Personalchefin die organisatorische und strategische Transformation eines Konzerns mit rund 220'000 Mitarbeitenden in 64 Ländern begleitete und eine der großen globalen HR-Organisationen leitete, bevor sie 2023 in den Ruhestand trat. Im Verwaltungsrat von Julius Bär soll sie insbesondere bei Themen wie Kulturwandel, Vergütung, Talentförderung und Nachfolgeplanung Akzente setzen.

Die Doppel-Nomination folgt auf eine im März kommunizierte strategische Vorgabe der Bank, gezielt nach weiblichen Kandidaten für den Verwaltungsrat zu suchen. Julius Bär setzt damit ihren bereits laufenden Umbau des Aufsichtsgremiums fort und reagiert zugleich auf steigende regulatorische und investorseitige Erwartungen an Diversität und Governance. Details zur künftigen Zusammensetzung des Verwaltungsrats und seiner Ausschüsse will die Bank mit der Einladung zur Generalversammlung im März 2027 bekanntgeben.

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Historischer Machtwechsel in Magdeburg: AfD vor erstmaliger Übernahme des Landtagspräsidiums

08.10.2026


Im Magdeburger Landtag steht ein Einschnitt in der bundesdeutschen Parlamentsgeschichte bevor: Erstmals könnte ein Abgeordneter der AfD das Amt des Landtagspräsidenten übernehmen. Der 35-jährige Tobias Rausch, seit 2016 Mitglied des Landtags von Sachsen-Anhalt und Generalsekretär der AfD im Bundesland, geht mit einer komfortablen Mehrheit in die konstituierende Sitzung. Nach ihrem klaren Wahlsieg stellt die AfD künftig 39 der 83 Abgeordneten und ist damit die mit Abstand stärkste Fraktion.

Den entscheidenden Schub liefert das Bündnis mit dem Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Die fünf BSW-Abgeordneten wollen geschlossen für Rausch stimmen und kommen gemeinsam mit der AfD auf 44 Stimmen. BSW-Fraktionschef Thomas Schulze verweist auf parlamentarische Gepflogenheiten: Als stärkste Fraktion habe die AfD laut Geschäftsordnung Anspruch auf den Vorsitz im Parlament. Eine politische Blockbildung gegen die AfD lehnt Schulze ab und präsentiert die Zustimmung zur Wahl des Landtagspräsidenten als Signal eines „neuen Politikstils“.

Die übrigen Fraktionen reagieren gespalten. CDU, SPD, Grüne und Linke verfügen zusammen ebenfalls über 39 Mandate, treten aber nicht geschlossen gegen die AfD an. Die CDU hat angekündigt, sich bei der Wahl zu enthalten – Enthaltungen zählen in diesem Verfahren nicht als abgegebene Stimmen. SPD, Grüne und Linke wollen gegen Rausch stimmen. Spannend bleibt damit vor allem die Frage, ob der AfD-Kandidat über die absehbaren 44 Ja-Stimmen hinaus zusätzliche Unterstützung erhält. Vor der geheimen Abstimmung spekulieren die Lager bereits über mögliche Abweichler; aus der AfD-Spitze heißt es, zusätzliche Stimmen könnten auch aus dem Kreis der erklärten Gegner stammen.

Parallel zur Präsidentenwahl testet die AfD aus, wie weit ihr neuer Einfluss im Landtag reicht. Die Fraktion will die Geschäftsordnung ändern, um neben dem Präsidenten auch einen der drei Vizepräsidentenposten zu besetzen – vorgesehen ist der Abgeordnete Hans-Thomas Tillschneider. In der Vergangenheit sorgten seine Beiträge zur Bildungs- und Kulturpolitik regelmäßig für Kritik in anderen Fraktionen, die den Personalvorschlag daher als Provokation werten dürften. Ob das BSW diese Personalie ebenso mitträgt wie die Wahl von Rausch, ist bislang offen. Unabhängig vom Ausgang der Abstimmungen wird die erste Sitzung des neu gewählten Landtags damit zum Testfall für künftige Zusammenarbeit und Machtarithmetik in Sachsen-Anhalt.