Gezielte Recyclingmaßnahmen würden zu einer um 68 % stärkeren Zunahme des Recyclings führen als eine Begrenzung der Primärkunststoffproduktion um 5 % und zugleich die Bezahlbarkeit sichern, indem die Auswirkungen auf die Wohlfahrt der Haushalte minimiert würden.
BRÜSSEL, 17. September 2026 /PRNewswire/ -- Laut einer neuen Studie von Oxford Economics, die vom International Council of Chemical Associations (ICCA) in Auftrag gegeben wurde, könnten gezielte Maßnahmen zur Abfallsammlung und zum Recycling dort ansetzen, wo sich unsachgemäß behandelte Abfälle am stärksten verringern lassen. Damit ließe sich dieselbe Verringerung der Kunststoffeinträge in die Umwelt erreichen wie mit einer weltweiten Begrenzung der Primärkunststoffproduktion, jedoch zu deutlich geringeren wirtschaftlichen Kosten und mit wesentlich mehr Kunststoffrecycling.
Evaluating Policy Pathways to End Plastic Pollution ist die zweite Phase der von Oxford Economics für ICCA durchgeführten Analyse. Sie baut auf der Studie Mapping the Plastics Value Chain aus dem Jahr 2024 auf, die den globalen wirtschaftlichen Fußabdruck der Kunststoffindustrie dokumentiert und die potenziellen Folgen einer Einschränkung der Produktion untersuchte.
Der Bericht vergleicht in erster Linie ein Szenario mit einer moderaten Begrenzung der Primärkunststoffproduktion um 5 % (Szenario 1) mit einem Szenario, das stärkere Anreize für Sammlung und Recycling auf Regionen mit dem größten Potenzial zur Verringerung unsachgemäß behandelter Kunststoffabfälle konzentriert (Szenario 2a).
Oxford Economics verwendete die im Modell ermittelte Verringerung der Kunststoffeinträge in die Umwelt bei einer Begrenzung der Produktion um 5 % als gemeinsamen Referenzwert für die Kalibrierung der übrigen Szenarien. Dadurch konnten in der Studie die Auswirkungen der einzelnen Szenarien auf Recycling, Preise, Wirtschaftsleistung und Wohlfahrt unter gleichen Voraussetzungen verglichen werden.
Im Vergleich zum Szenario mit einer Begrenzung der Primärkunststoffproduktion um 5 % würden gezielte Maßnahmen und Anreize zur Sammlung und zum Recycling folgende Ergebnisse erzielen:
Diese Auswirkungen wären weltweit zu spüren, auch wenn ihr Ausmaß je nach Region erheblich variieren würde. Im Szenario mit Begrenzung der Primärkunststoffproduktion würde die Wohlfahrt der Haushalte in Ostasien um 38,5 Milliarden US-Dollar, in Westeuropa um 37,7 Milliarden US-Dollar, in Nordamerika um 22,1 Milliarden US-Dollar, in Südostasien um 8,8 Milliarden US-Dollar, im Nahen Osten um 6,1 Milliarden US-Dollar und in Lateinamerika um 6,0 Milliarden US-Dollar sinken. In jeder der modellierten Regionen würde die Wohlfahrt der Haushalte sinken.
„Kunststoffe sind fester Bestandteil von Produkten und Lieferketten und lassen sich in vielen Anwendungen nicht ohne Weiteres durch andere Materialien ersetzen", sagte Alice Gambarin, eine der Autorinnen des Berichts und stellvertretende Direktorin bei Oxford Economics. „Dadurch ist die Nachfrage nach Kunststoffen relativ unelastisch. Wenn das Angebot an Primärkunststoffen begrenzt wird, verschwindet die Nachfrage nicht einfach oder verlagert sich auf andere Materialien. Stattdessen steigen die Preise entlang der gesamten Wertschöpfungskette für Kunststoffe, wodurch die Kosten für Unternehmen und Verbraucher steigen und die Wohlfahrt der Haushalte sinkt."
Im Gegensatz dazu würde eine gezielte Ausrichtung der Recyclinganreize auf das jeweilige Potenzial jeder Region zur Verringerung unsachgemäß behandelter Abfälle dieselbe weltweite Verringerung der Kunststoffeinträge in die Umwelt bei weitaus geringeren wirtschaftlichen Kosten bewirken. In diesem Szenario könnte das Recycling in Südasien um 20,5 Millionen Tonnen und in Ostasien um 13,7 Millionen Tonnen zunehmen. In diesen beiden Regionen ermittelte das Modell das größte absolute Verbesserungspotenzial.
„Diese Studie zeigt, dass Umweltziele und wirtschaftlicher Wohlstand nicht im Widerspruch zueinander stehen müssen", sagte Marco Mensink, Sekretär des ICCA-Rates und Generaldirektor von Cefic. „Das globale Abkommen zur Bekämpfung der Kunststoffverschmutzung bietet die Chance, die Kreislaufwirtschaft weltweit voranzutreiben, indem das Recycling und die Wiederverwendung von Kunststoffen ausgeweitet werden. Gleichzeitig soll die Verschmutzung durch Kunststoffabfälle bekämpft werden, indem der Sammlung fester Abfälle für die 2,7 Milliarden Menschen weltweit, die noch immer keinen Zugang zu entsprechenden Sammelsystemen haben, Vorrang eingeräumt wird."
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit eines globalen Abkommens, das Finanzmittel mobilisiert, Kapazitäten aufbaut und Regierungen dabei unterstützt, ihre Ressourcen dort zu bündeln, wo sich Einträge von Kunststoffabfällen in die Umwelt in ihren Gemeinden am wirksamsten bekämpfen lassen.
Oxford Economics hat die Analyse unabhängig durchgeführt, und die Schlussfolgerungen spiegeln die Ansichten des Unternehmens wider.
Der vollständige Bericht und ein Informationsblatt sind hier verfügbar.
International Council of Chemical Associations (ICCA)
Der International Council of Chemical Associations (ICCA) ist ein Zusammenschluss von Innovatoren, Visionären, Lösungsanbietern und Vorreitern im Bereich der Produktverantwortung. Durch kontinuierliche Innovationen in der Chemie und die stetige Verbesserung des sicheren Umgangs mit Chemikalien trägt die globale chemische Industrie wesentlich zu einer nachhaltigen Gesellschaft bei: Sie verbessert die Gesundheit der Menschen, schützt die Umwelt und schafft weltweit Wohlstand.
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Bremen für eine eindringliche Warnung vor der Gefährdung der Demokratie genutzt. In seiner voraussichtlich letzten großen Rede zu diesem Anlass sprach er von einer angefochtenen demokratischen Ordnung und mahnte, radikale Kräfte entschieden abzuwehren. Angesichts wachsender Erfolge populistischer und extremistischer Parteien sieht Steinmeier nicht nur Freiheit und Demokratie, sondern auch die innere Einheit des Landes unter Druck.
Steinmeier verwies darauf, dass inzwischen „ein Viertel und mehr“ der Wähler mit ihrer Entscheidung deutlich machten, dass sie sich von wichtigen Grundentscheidungen der Bundesrepublik abwenden. Diese Entwicklung werde begleitet von „unerträglicher politischer Demagogie“, in der Menschen verhöhnt und bedroht würden. Die Diskreditierung demokratischer Verfahren, die Radikalisierung der Öffentlichkeit und die Diffamierung des Kompromisses seien Warnsignale, die man nicht ignorieren dürfe. Populistische Parteien aller Couleur destabilisierten die parlamentarische Demokratie, sagte er.
Deutliche Kritik übte der Bundespräsident an der Rolle der sozialen Medien. Eine „Flut der Manipulationen und der Lügen“ trage zur „schrillen Emotionalisierung“ des politischen Diskurses bei und befeuere extremistische Tendenzen. Steinmeier forderte, die demokratische Streitkultur zu verteidigen und den Kompromiss wieder als Stärke zu begreifen. Ob die Demokratie in Deutschland einer Entwicklung ähnlich der Weimarer Republik entgegengehe, sei nicht entschieden – man habe es „in der Hand“.
Zugleich erinnerte Steinmeier an die historischen Grundlagen des Feiertags. Vor 36 Jahren sei mit der deutschen Wiedervereinigung eine „tiefe Wunde“ geheilt worden, die das Land zuvor über Jahrzehnte in einem „unnatürlichen Zustand der inneren Spaltung“ gehalten habe. Der Tag der Deutschen Einheit sei Anlass, die erste friedliche Revolution für Freiheit und Demokratie in Deutschland und ihre Protagonisten im Gedächtnis zu behalten. Die Errungenschaften der Einheit dürften von aktuellen Krisen nicht überdeckt werden, mahnte Steinmeier, und rief die Bürger dazu auf, sich aktiv für die liberale Demokratie einzusetzen. Er zeigte sich überzeugt, dass diese den aktuellen Belastungen standhalten könne: „Wir sind so viel stärker, als wir glauben.“